Firmenbestatter

SZ meldet: Sie übernehmen insolvente Firmen, verschleiern Besitzverhältnisse und bringen so die Gläubiger um ihr Geld — wie “Krisenberater” sich auf Kosten anderer bereichern.

Und dann lässt er einen Begriff fallen, der nur Wenigen bekannt sein dürfte, bei diesen Wenigen aber für Riesenärger sorgt:,,ein typischer Fall von Firmenbestattung”.

Unter seinen Kollegen gibt es kaum einen, der den Ausdruck nicht kennt. Firmenbestatter selbst würden sich nie so nennen.

Firmenbestatter bieten Übernahme von Betrieben in der Pleite an

Den Schaden, den sie jährlich anrichten, schätzen Wirtschaftskriminalisten auf mehr als fünf Milliarden Euro eine Zahl, die man beim Verband der Insolvenzverwalter Deutschlands für realistisch hält.

Die Wirtschaftskrise hat das Geschäft erst richtig angekurbelt. Firmenbestatter bieten ihre Dienste an, wenn ein Betrieb pleite ist und der Geschäftsführer laut Gesetz den Gang zum Amtsgericht antreten müsste.

,,Der legale Weg, den das Insolvenzrecht bietet, ist den Beteiligten oft zu mühsam”, sagt der Anwalt einer Münchner Kanzlei. Mit Hilfe eines Firmenbestatters dagegen ist man auf einen Schlag die Schulden los. ,,Das Schlimme ist, dass das in der Regel auch funktioniert”, meint der Insolvenzverwalter.

Alt-Eigentümer übertragen Gesellschaftsanteile und verschleiern den Vorgang

Das System ist durchdacht: Statt ordnungsgemäß Insolvenz anzumelden, überträgt der Alt-Eigentümer seine Gesellschaftsanteile an eine Person, die in der Regel unauffindbar irgendwo im Ausland sitzt - den Firmenbestatter.

,,Dann wird der Geschäftsführer ausgewechselt, oft auch mehrfach”, sagt der Anwalt. Meistens ändern die Beteiligten den Namen des Unternehmens und stellen den Betrieb ein. Ausnahmsweise ändern sie nur geschickt die Rechtsform und führen das Geschäft fort. Immer aber beseitigen sie die Unterlagen, um den Vorgang zu verschleiern.

Das Ganze mit dem Ziel, den Alt-Eigentümer von seiner Schuldenlast zu befreien und den Gläubigern den Zugriff auf die noch vorhandenen Vermögenswerte zu versperren.

Mit jedem Wechsel des Gesellschafters und des Geschäftsführers steigt die Chance, dass am Ende niemand mehr durchblickt, an wen er sich nun eigentlich wenden müsste mit seinen Forderungen.

Kettenreaktion bei den Gläubigern

Die Gelackmeierten sind die Gläubiger des früheren Eigentümers: Banken, Lieferanten, Arbeitnehmer, Krankenkassen und das Finanzamt zum Beispiel. Es ist eine Kettenreaktion - einer zahlt nicht mehr und reißt die anderen mit rein. Die haben ja schließlich auch Schulden zu begleichen, Lieferanten zu bezahlen und Darlehen zu tilgen.

Bundesjustizministerin will Bestattern das Geschäft erschweren

Dass das Problem dringlich ist, hat auch Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) erkannt. Ihr Haus arbeitet an einem Gesetz, das den Bestattern das Geschäft erschweren soll. So will die Ministerin zum Beispiel die Zustellung von Klagen oder Vollstreckungsbescheiden vereinfachen.

15.1.07 21:40

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen