In Stuttgart steigt die Zahl der Privatinsolvenzen konstant an

Stuttgart - Die Zahl der Privatinsolvenzen steigt konstant.

Im vergangenen Jahr registrierte das Amtsgericht Stuttgart 1340 Anträge auf private Insolvenz. Das ist gegenüber dem Jahr 2005, in dem 1053 Anträge gestellt wurden, eine Steigerung von knapp 30 Prozent.

Seit 2002 nehmen laut Gerhard Binder, Abteilungsleiter des beim Amtsgericht angesiedelten Insolvenzgerichts, die privaten Insolvenzen zu. So verzeichnet das Amtsgericht Stuttgart, das für die Landeshauptstadt, Waiblingen, Schorndorf und Böblingen zuständig ist, 2002: 335 Verfahren, 2003: 476 Verfahren und 2004: 847 Verfahren.

Als Ursache für den Anstieg nennt Binder die bessere Beratung der Schuldner und vor allem die Änderung der Insolvenzordnung zum 1. Dezember 2001. Bis zu diesem Stichtag konnten Insolvenzverfahren nur eröffnet werden, wenn die Schuldner die Verfahrenskosten von durchschnittlich 3000 Euro aufbringen konnten. Das Gesetz zur Änderung der Insolvenzordnung lässt die Stundung der Gebühren zu. Ziel des Insolvenzverfahrens ist der Erlass der Restschulden, nachdem sich der Schuldner sechs Jahre bemüht hat, den Schuldenberg zu verringern.

Bei der Zentralen Schuldnerberatung in Stuttgart, die von Caritas, Evangelischer Gesellschaft und dem Verein Bewährungshilfe getragen wird, liegen noch keine statistischen Zahlen für 2006 vor. Leiter Wolfgang Schrankenmüller warnt jedoch davor, aus dem sprunghaften Ansteigen der Insolvenzen Rückschlüsse auf die Zahl der überschuldeten Haushalte zu ziehen. "Die Zahl zeigt nur, dass die Insolvenzverfahren allmählich funktionieren. Bisher machen keine zehn Prozent der überschuldeten Haushalte von der Möglichkeit Gebrauch."

Nach der für das Jahr 2005 aktuellen Statistik suchten 1850 Schuldner bei der Beratungsstelle Hilfe. Beraten wurden von dem 14-köpfigen Team rund 850 Personen. 245 drohte wegen Schulden der Verlust der Wohnung und/oder Sperrung des Stroms. Rund 26 Prozent der Schuldner stehen mit weniger als 10 000 Euro in der Kreide. 42 Prozent haben 10 000 bis 30 00 Euro Schulden. 32 Prozent stehen mit mehr als 30 000 Euro in den roten Zahlen. Von letzteren haben 10,6 Prozent Verbindlichkeiten zwischen 50 000 und 100 000 Euro.

Nach wie vor Grund Nummer eins für Überschuldung ist nach Erfahrung der Schuldnerberatung die Arbeitslosigkeit, in deren Folge den finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachgekommen werden kann. "Der Kredit für die Eigentumswohnung oder die Rate für das Auto wird dann zum Problem", sagt Wolfgang Schrankenmüller. An zweiter Stelle nennt er Trennung und Scheidung. Fehlstarts in die Selbstständigkeit und unseriöse Steuersparmodelle nennt er als weitere Gründe vor allem für eine besonders hohe Verschuldung.

Weil rund 60 Prozent derer, die bei der Schuldnerberatung Unterstützung suchen, Arbeitslosengeld II beziehen, plädiert das Sozialamt Stuttgart für eine Zusammenarbeit zwischen dem für die Arbeitslosengeld-II-Empfänger zuständigen Jobcenter und der Schuldnerberatung. Ein Konzept für die Kooperation beider Einrichtungen gibt es bereits. Dabei geht es vor allem darum, für die Arbeitslosen die Wartezeiten auf einen Termin von bis zu einem Jahr bei der Schuldnerberatung zu verkürzen. "Überschuldung ist bei der Jobsuche oft ein Vermittlungshemmnis", begründet der stellvertretende Sozialamtsleiter Stefan Spatz die Pläne. Damit andere Hilfesuchende nicht benachteiligt werden, müssen für eine kurzfristige Beratung zusätzliche Stellen eingerichtet werden - nach Informationen unserer Zeitung ist von zwei zusätzlichen Kräften die Rede. Eine entsprechende Vorlage soll demnächst im Gemeinderat diskutiert werden.

Quelle: STN

10.1.07 09:58

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen